Pin-up – Die Kunst der verführerischen Übertreibung

Zwischen Nostalgie, Sinnlichkeit und einem Augenzwinkern

Ich war schon immer ein großer Fan der Pin-up-Fotografie. Vielleicht hat das tatsächlich auch etwas mit meiner Generation zu tun. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der die großen Männermagazine der 1960er- und 1970er-Jahre das Bild weiblicher Schönheit auf ihre ganz eigene Weise prägten. Natürlich gehörte auch der Playboy zu dieser Welt, die mich als jungen Mann faszinierte.

Die Wurzeln der Pin-up-Kultur reichen allerdings wesentlich weiter zurück. Lange bevor Hochglanzmagazine wie der Playboy ihre große Zeit erlebten, waren es bereits gezeichnete Schönheiten, Filmstars und später Fotografien, die als Pin-ups Wände, Kalender und Werbeanzeigen schmückten. Die Verbindung aus glamouröser Weiblichkeit, inszenierter Erotik und einem gewissen spielerischen Humor entwickelte sich zu einer unverwechselbaren Bildsprache.

Und genau diese Bildsprache hat mich immer begeistert.

Wenn Übertreibung zur Kunst wird

Was mich an Pin-up besonders fasziniert, ist die bewusste Überzeichnung. Nichts ist zufällig. Die Körpersprache ist ausdrucksstark, die Gesten sind manchmal fast theatralisch, die Mimik spielt mit Überraschung, Verführung, Unschuld oder frecher Selbstsicherheit.

Pin-up kennt kaum Zurückhaltung. Ein Blick, eine Bewegung, eine Pose – alles ist darauf ausgerichtet, unmittelbar eine Geschichte zu erzählen.

Das Model kommuniziert direkt mit dem Betrachter. Es gibt kaum Raum für Missverständnisse, und genau darin liegt für mich der besondere Reiz. Die Bildaussage ist klar, manchmal provokant, oft humorvoll und immer darauf ausgerichtet, Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Pin-up-Fotografien sind Eye-Catcher im besten Sinne.

Nicht ohne Grund hat auch die Werbewelt diese Ausdrucksform über Jahrzehnte für sich entdeckt. Ob Automobile, Mode, Kosmetik oder alltägliche Konsumprodukte – die Kombination aus weiblichem Charme und augenzwinkernder Inszenierung wurde zu einem wirkungsvollen Stilmittel.

Sinnlichkeit mit Humor

Für mich war Pin-up nie einfach nur die Darstellung einer attraktiven Frau in einem sexy Outfit. Es geht vielmehr um die Inszenierung einer Rolle, um das bewusste Spiel mit Klischees und um die Freude an einer Bildidee, die sich selbst nicht immer ganz ernst nimmt.

Eine gelungene Pin-up-Aufnahme besitzt für mich etwas Leichtes, Unbeschwertes. Sie darf frech sein, sie darf provozieren, sie darf übertreiben. Aber sie sollte dabei immer ihren Charme bewahren.

Gerade dieser spielerische Charakter unterscheidet Pin-up für mich von vielen anderen Formen der erotischen oder glamourösen Fotografie.

Es ist diese Mischung aus Sinnlichkeit, Selbstbewusstsein und Humor, die mich bis heute begeistert.

Das richtige Model macht den Unterschied

Im Laufe meiner fotografischen Arbeit habe ich immer wieder Pin-up-Produktionen umgesetzt, wenn auch längst nicht so viele, wie man vielleicht vermuten würde.

Denn so einfach diese Bilder auf den ersten Blick erscheinen mögen, so anspruchsvoll ist ihre Umsetzung.

Nicht jedes Model eignet sich für diesen Stil. Es reicht nicht aus, attraktiv zu sein oder vor der Kamera eine schöne Pose einzunehmen. Pin-up verlangt Ausdruck, Präsenz, ein Gespür für Körpersprache und vor allem die Fähigkeit, mit einer gewissen Selbstironie zu spielen.

Ein gutes Pin-up-Model muss bereit sein, eine Rolle zu verkörpern, Gesten bewusst zu überzeichnen und dabei trotzdem natürlich und überzeugend zu wirken.

Mit Edamey Hugentobler hatte ich in dieser Hinsicht einen echten Glücksgriff gemacht. Sie brachte genau jene Mischung aus Ausstrahlung, Spielfreude und Präsenz mit, die diesen Stil so besonders macht.

Aber auch mit anderen Models entstanden Produktionen, die auf ihre jeweils eigene Weise Elemente der klassischen Pin-up-Fotografie aufgriffen und neu interpretierten.

Jede dieser Begegnungen hatte ihren eigenen Charakter. Und genau das ist es, was ich an der Arbeit mit Menschen vor meiner Kamera so schätze.

Eine Leidenschaft, die geblieben ist

Pin-up ist für mich bis heute eine wunderbare Möglichkeit, Fotografie einmal ganz bewusst von ihrer spielerischen Seite zu betrachten.

Hier darf übertrieben werden. Hier darf eine Pose größer sein als das Leben. Hier dürfen Farben, Styling, Make-up und Ausdruck gemeinsam eine kleine Bühne schaffen, auf der das Model zur Hauptdarstellerin wird.

Und als Fotograf habe ich die Freude, diese Inszenierung mit Licht, Perspektive und dem richtigen Augenblick zu gestalten.

Ich würde auch heute jederzeit wieder eine Pin-up-Produktion umsetzen. Nicht aus reiner Nostalgie, sondern weil ich diese Art der fotografischen Erzählung nach wie vor liebe.

Vielleicht liegt genau darin die zeitlose Faszination dieses Genres: Pin-up will nicht die Wirklichkeit dokumentieren. Es erschafft für einen Augenblick eine eigene kleine Welt – charmant, verführerisch, humorvoll und voller Lebensfreude.

Und manchmal braucht ein gutes Bild eben nichts weiter als eine ausdrucksstarke Pose, ein selbstbewusstes Model und ein Augenzwinkern.

Ralf Eyertt

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Credits

  • Biggi Eyertt · Assistant
  • Chantal Hug · Makeup
  • Cornelia Lautenschlager · Makeup
  • Dana Jokic · Makeup
  • Edamey Hugentobler · Model
  • Estephanie Correa · Model
  • Iryna Müller · Makeup
  • Jessica Strub · Model
  • Jhannet Correa · Model
  • Kathy Mitterer · Model
  • Nina Schaub · Makeup
  • Petra Mayerhofer · Model
  • Ralf Eyertt · Photographer
  • Soraia Schlumpf · Model
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