Ich habe Vivienne Oesch 2018 zum ersten Mal gesehen – nicht in meinem Studio, sondern im Fernsehen. Sie nahm damals an Switzerland’s Next Topmodel teil, und für mich war sie von Anfang an eine der interessantesten Teilnehmerinnen der Staffel. Ich war sogar ziemlich überzeugt davon, dass sie gewinnen würde. Damit lag ich zwar daneben, aber eines blieb: Vivienne war mir aufgefallen.
Und sie blieb mir im Gedächtnis.
Die erste Gelegenheit für eine persönliche Begegnung ergab sich wenig später bei einem Cover-Shooting für das Beautyforum Magazin. Für Make-up und Styling war die Schweizer Meisterin Vanessa Cisullo verantwortlich. Dieses erste Kennenlernen nutze ich natürlich um Vivi zu fragen ob sie auch auf andere Editorial Shootings Lust hätte
Sie hatte.
Es war nicht nur ihr Aussehen das mich faszinierte. Natürlich brachte sie mit ihrer Größe, ihrer schlanken Erscheinung und ihrem markanten Gesicht vieles mit, was man mit einem Fashionmodel verbindet. Entscheidend war für mich aber etwas anderes: ihre Persönlichkeit und ihre Präsenz vor der Kamera.
Manche Menschen verändern einen Raum, wenn sie ihn betreten. Und manche verändern ein Bild, sobald man die Kamera auf sie richtet. Vivienne konnte beides.
Aus diesem ersten Shooting wurde sehr schnell mehr. Viel mehr. Über die folgenden Jahre entstanden mehr als 26 gemeinsame Produktionen. Aus einzelnen Shootings entwickelte sich eine kreative Zusammenarbeit, bei der wir uns immer wieder auf neues Terrain wagten.
Gerade das machte unsere Arbeit für mich so spannend. Wir wollten nicht einfach nur schöne Fashion- und Beauty-Bilder produzieren. Mit jeder neuen Serie konnten wir ausprobieren, verändern und Grenzen verschieben. Looks wurden mutiger, Inszenierungen aufwendiger und manche Ideen deutlich experimenteller. Nicht jedes Bild musste gefällig sein. Es durfte auffallen, überraschen und manchmal auch irritieren.
Und diese Geschichten fanden ihr Publikum. Immer wieder wurden unsere gemeinsamen Editorials von Magazinen aufgegriffen und veröffentlicht.
Gleichzeitig begann sich Viviennes Karriere zunehmend zu internationalisieren. Sie war immer häufiger unterwegs, und damit wurde etwas, das anfangs ganz selbstverständlich gewesen war, zunehmend schwieriger: überhaupt einen gemeinsamen Termin zu finden. Ein geplantes Shooting konnte schnell mit einer Anfrage aus Mailand oder Paris kollidieren – und selbstverständlich hatten solche beruflichen Möglichkeiten Vorrang.
Vielleicht machte gerade das unsere späteren gemeinsamen Produktionen noch besonderer.
Unsere bislang letzte Produktion entstand schließlich nicht mehr in Zürich, sondern in meinem neuen Studio in Taufkirchen in Deutschland. Wenn ich heute auf die Bilder der ersten Jahre zurückblicke, sehe ich deshalb weit mehr als eine Reihe von Fashion- und Beauty-Shootings.
Ich sehe eine Entwicklung.
Für Vivienne waren diese Jahre Teil des Beginns einer Karriere, die sie weit über die Schweiz hinausführte. Für mich waren sie ebenfalls wichtig. Durch unsere Zusammenarbeit entdeckte ich neue Ausdrucksmöglichkeiten in meiner Fotografie. Ich konnte experimentieren, lernen und Ideen umsetzen, die meinen eigenen fotografischen Stil weiterentwickelten.
Wir sind beide unseren Weg gegangen – und für einige Jahre verliefen diese Wege immer wieder gemeinsam vor meiner Kamera.
Mehr als 26 Produktionen später bleibt deshalb vor allem eines zu sagen:
Danke, Vivi.















Credits
- Aji Bram · Stylist
- Ralf Eyertt · Photographer
- Reslie Mundwiler · Makeup
- Stephanie Jeg · Makeup
- Vanessa Cisullo · Makeup
- Vivienne Oesch · Model
